Interview mit Marina Weisband

Digitalisierung als Verstärker

Am 12. November dieses Jahres veranstaltet die MACH AG die Konferenz „Innovatives Management“ zum bereits 20. Mal. Eine der Referent:innen ist Marina Weisband. Die Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung wird zum Thema Weiterentwicklung der Gesellschaft durch Digitalisierung sprechen. Eine Vorschau.

 

Marina Weisband war politische Geschäftsführer:in der Piratenpartei Deutschland, heute engagiert sie sich vor allem für die Themenbereiche Bildung und Digitalisierung. Im Interview gibt sie einen Einblick auf die Themen, über die sie in Lübeck sprechen wird.

 

Zu welchen Veränderungen der Gesellschaft kann die Digitalisierung führen?

Marina Weisband: Wir stehen durch die Digitalisierung am Beginn einer zweiten Welle der Aufklärung. Wie der Buchdruck die Einer-zu-Viele-Kommunikation ermöglicht hat und daraus ein neuer Anspruch auf Bildung und Autonomie des Einzelnen erwachsen ist, entstehen aus der neuen Viele-zu-viele-Kommunikation neue Ansprüche. Die möglicherweise aufklärerisch sind, wenn wir sie dazu machen. Und dafür müssen wir Handeln neu denken und handeln lernen. Digitalisierung macht per se nichts besser oder schlechter, sondern ist lediglich der große Verstärker.

 

"Man muss die komplexen Probleme unserer Zeit nicht gleich global angehen, um Handeln zu lernen."

Marina Weisband Diplompsychologin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung

Woher nehmen Sie die Zuversicht, dass die Gesellschaft bereit ist, zu handeln und es wirklich zu einem Umbruch kommt?

Geschichte ist nicht linear. Es gab und wird immer wieder große Rückschläge für das geben, was wir heute als unsere Werte bezeichnen: den Wert und die Würde des Menschen, Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit. Aber insgesamt gibt es in dieser Hinsicht eine positive Entwicklung. Neue Technologie birgt in sich immer das Potenzial, weiteren gesellschaftlichen Fortschritt zu erleichtern. Voraussetzung ist aber, dass sie allen zugutekommt und nicht zur Zentralisierung von Macht dient. Genau das ist die aktuelle Herausforderung. Wenn die breite, globale Zivilgesellschaft es schafft, die Digitalisierung für sich zu nutzen, sich durch die Viele-zu-Viele-Kommunikation zu vernetzen und wirkmächtiger zu werden, kann sie einen großen Schritt nach vorn machen. Daher auch meine Zuversicht – es hängt von uns allen ab, also auch von mir.

Was kann oder was muss jeder Einzelne tun, um Handeln zu lernen?

Man muss die komplexen Probleme unserer Zeit nicht gleich global angehen, um Handeln zu lernen. Jeder Einzelne kann sich ganz konkret – heute – in seiner Kommune, im Verein oder in der Schule umschauen und sich fragen: „Wie ist meine Umgebung? Und wie könnte sie besser sein? Wem kann ich helfen?“ Und aus dieser Frage sollte man zusammen mit anderen einen Plan entwickeln und ihn umsetzen. Selbst wenn es nur eine neue Sitzbank ist. Setzen Sie eine kleine Sache um. Sie werden jeden Tag an dieser Bank vorbeigehen und fühlen: Das habe ich gemacht, das ist mein Einfluss auf die Welt. Das Fehlen der Bank zu erkennen, einen Plan zu machen, sich Hilfe zu holen, und die Umsetzung: das ist Handeln. Es ist ein sehr gutes Gefühl.

12.11.2020

Neues Denken, Arbeiten und Wirken in der Verwaltung.

Krisen decken Schwächen auf, fördern aber genauso Stärken. 2020 haben sich das Arbeiten und Denkweisen schlagartig gewandelt. Auch in der öffentlichen Verwaltung.

Wie die Corona-Krise zur Corona-Chance wurde, welche Veränderungen und Neuerungen - technologisch und menschlich - den Einzug in den Alltag der öffentlichen Verwaltungen erhalten haben und was es nun zu tun gilt, um den eingeschlagenen neuen Weg nachhaltig weiterzuverfolgen, soll am 12. November 2020 bei der 20. Ausgabe des Lübecker Kongresses Innovatives Management mit Referent:innen und Teilnehmer:innen erörtert werden.

Verfolgen Sie den Kongress dieses Jahr erstmalig im Livstream.
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