IMA News · 07.07.20

Die Krise als Chance genutzt

Teil 3 der 4-teiligen Artikelserie: Corona-Zeit wird zum Digitalisierungskatalysator für eine kleine Gemeinde in Sachsen-Anhalt.

Tangerhütte wird zum Vorzeigeobjekt

Rathäuser waren geschlossen, normale Dienstleistungen für Bürger:innen konnten vielerorts nur eingeschränkt erbracht werden. Die Corona-Krise hat Verwaltungen wie Kund:innen schwer getroffen. Eine kleine Gemeinde in Sachsen-Anhalt hat die Pandemie als Chance genutzt. Und so wurde aus Tangerhütte ein Vorzeigeprojekt der Digitalisierung kommunaler Dienste.

Vorbereitung auf Digitalisierung begann vor drei Jahren

Eigentlich war alles von langer Hand geplant. Vor drei Jahren begannen die ersten Vorbereitungen für die Digitalisierung von Angeboten der Stadt Tangerhütte, vergangenes Jahr wurde extra ein Mitarbeiter dafür eingestellt. Und im August dieses Jahres sollte das erste Angebot freigeschaltet werden: Interessierte hätten sich über freie Kitaplätze online informieren und auch einen buchen können.

Doch dann kam Corona. Und das Rathaus mussten von einem auf den anderen Tag für den Besucherverkehr schließen. Die Verwaltung unter der Leitung von Bürgermeister Andreas Brohm reagierte schnell. Aufgrund der bereits geleisteten Vorarbeiten ging das digitale Rathaus bereits Ende März online.

"Uns war von Anfang an klar, bei der Digitalisierung müssen wir unsere Kunden an die Hand nehmen, sie in die Richtung unserer Angebote stupsen."

Andreas Brohm Bürgermeister der Stadt Tangerhütte
Bürgermeister Andreas Brohm

Digitales Bürgerkonto als zentrale Anwendung

„Corona gab uns dazu die Chance“, fügt Bürgermeister Andreas Brohm hinzu. Kernfunktion des digitalen Rathauses ist das Bürgerkonto. Zur Anmeldung reichen Name und Adresse, bei Firmen und Vereinen der entsprechende Name. Zudem können zum Start Informationsangebote zu Themen allgemeine Hinweise, Gefahrenhinweise, Beschlüsse, Kinderbetreuung, Immobilen, Veranstaltungen und Ausschreibungen abonniert werden. Im nächsten Schritt gibt es die Möglichkeit, Anträge für derzeit 14 Verwaltungsvorgänge zu stellen. Dazu gehören beispielsweise die corona-bedingte Erstattung von Kitagebühren, da die Kinderbetreuung monatelang ausfiel, aber auch die An-, Ab- und Ummeldung von Gewerbe.

„Unter normalen Umständen hätte unser neuer Service beim Start perfekt sein müssen. In der Corona-Krise verzeihen unsere Kund:innen uns aber, wenn etwas nicht gleich funktioniert. So können wir gemeinsam mit unserer Zielgruppe lernen.“

Andreas Brohm Bürgermeister der Stadt Tangerhütte
Bürgermeister Andreas Brohm

Ideen der Mitarbeiter:innen müssen umgesetzt werden

Und der neue Service kommt gut an. Nach kurzer Zeit waren bereits mehr als 600 Bürger:innen der 10.000-Einwohner-Einheitsgemeinde angemeldet. Und trotz der schnellen Umsetzung sind alle neuen Services gesetzeskonform – und auch der Datenschutz ist immer gewährleistet, betont der Rathauschef. Allerdings reagieren manche Mitarbeiter:innen der Verwaltung ambivalent: „Aufgrund der digitalen Prozesse müssen sie inzwischen schneller reagieren“, erklärt Brohm. Die Digitalisierung bedeute zudem auch nicht, dass grundsätzlich weniger Arbeit anfalle. Um die Akzeptanz im eigenen Haus zu erhöhen, hat Brohm von Anfang an darauf gesetzt, dass nur diejenigen in den Digitalisierungsprojekten eingesetzt werden, die dies auch wollen: „Wir starten den Prozess nur mit denen, die auch wollen. Wichtig ist außerdem, dass auch Ideen der Kolleg:innen umgesetzt werden können“, sagt der Verwaltungschef.

Ziel sei es, dass später alle Mitarbeiter:innen alle kommunalen Leistungen bearbeiten können. Das digitale Rathaus und das Bürgerkonto haben inzwischen bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Brohm: Wir bekommen etwa jede zweite Woche eine Anfrage einer anderen Kommune.“ Das gute Gefühl kommt auch bei den Mitarbeiter:innen an: Viele seien inzwischen richtig stolz darauf, bei solch einer innovativen Kommune zu arbeiten.

Lesen Sie das Interview mit Bürgermeister Andreas Brohm in voller Länge

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