Heilsamer Schock - #innovativesmanagement
IMA News · 20.08.21

Ein „heilsamer Schock“ für die Verwaltungen

Ein „Stoß ins kalte Wasser“ – aber mit gestärktem Auftauchen: Die Pandemie hat den Verwaltungen in Deutschland gezeigt, dass mehr möglich ist, als gedacht. Jetzt ist „Digital by default“ angesagt, denn das Verständnis der Öffentlichkeit für die digitale Rückständigkeit schwindet.

Ilona Benz reflektiert die Pandemie-Auswirkungen auf ihren Arbeitsbereich – und ihre Rolle als Führungskraft.

Ilona Benz leitet die Stabsstelle Digitalisierung beim Gemeindetag Baden-Württemberg. Auf dem Kongress „Innovatives Management“ wird sie an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. Wir haben sie gebeten, folgende Sätze zu vervollständigen, um einen ersten Einblick in ihre Positionen zu erhalten.

Die Digitalisierung der Verwaltung hat durch die Pandemie…
… den berühmten „Stoß ins kalte Wasser“ erhalten. Der „Schock“ ist heilsam. Es zeigt sich, dass mehr möglich ist, als wir uns bisher zugetraut haben. Digitalisierung vernetzt Behörden und vereinfacht und beschleunigt Verwaltungsprozesse.

Der größte Vorteil und zugleich das größte Problem des hybriden Arbeitens sind in einer Verwaltung…
… die Unterschiede im Wohnumfeld und den persönlichen Lebensverhältnissen der Mitarbeiter:innen. Was für den:die eine:n mehr Freiheit und Flexibilität bedeutet, ist für den:die andere:n Einschränkung und (zusätzliche) Belastung. Mit einer zunehmenden Flexibilisierung des Arbeitsortes müssen deshalb die Arbeitsbedingungen neu ausgehandelt werden.

Beim Führen aus der Distanz habe ich gelernt,…
dass Kontrolle schon immer der einfachste Weg der „Motivation“ war. Das reicht aber nicht aus in einer modernen Arbeitswelt, die noch mehr als früher auf intrinsisch motivierte Arbeitnehmer:innen angewiesen ist. Für Führungskräfte in der Arbeitswelt 4.0 bedeutet das: Von ihnen werden größere, weil mentale, Anstrengungen verlangt.

Die öffentliche Verwaltung hat auf die Herausforderungen der Corona-Krise…
… häufig pragmatischer, mutiger und offener reagiert als bisher. Gestaltungs- und Ermessensspielräume wurden besser genutzt und Bedenken öfter zugunsten von Lösungen zurückgestellt.

„Die Technik sollte den Menschen und der Organisation folgen – nicht umgekehrt.“

Ilona Benz Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung beim Gemeindetag Baden-Württemberg
Ilona Benz

Nach der Corona-Krise sollten die öffentlichen Verwaltungen mit Blick auf die Digitalisierung zunächst vor allem…
… die organisationalen Auswirkungen der Digitalisierung angehen. Das betrifft etwa die Art der Zusammenarbeit zwischen Ämtern und mit verwaltungsexternen Akteur:innen. Aber auch die benötigten Kompetenzen von Führungskräften und Verwaltungsmitarbeiter:innen. Die Technik sollte den Menschen und der Organisation folgen – nicht umgekehrt.

Die Pandemie hat die Sicht auf die Digitalisierung der Verwaltungen…
… stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und gesellschaftliche Erwartungen zu Recht noch einmal verschärft. Das Verständnis für digitale Rückständigkeit schwindet immer mehr.

Die Lehren aus der Corona-Krise bieten den Verwaltungen künftig die Chance,…
… die anstehenden großen Herausforderungen (v. a. Klimakrise, Ungleichheit, demografischer Wandel, digitale Transformation) mit ähnlichem Pragmatismus, Mut und Engagement anzugehen.

Die Mitarbeiter:innen in den Verwaltungen haben während der Pandemie digitalisierte Prozesse…
… als „neues Normal“ kennengelernt. Entscheidend wird im Folgenden sein, die Mitarbeiter:innen nun nicht mehr „vom Haken zu lassen“. Für Prozesse sollte künftig das Digital-by-default-Prinzip, also der Vorrang einer digitalen gegenüber einer herkömmlichen Lösung, gelten.

Die Kund:innen der Verwaltungen haben während der Pandemie digitalisierte Prozesse…
… zum ersten Mal wirklich schätzen gelernt. Dies öffnet jetzt für einen begrenzten Zeitraum ein Gelegenheitsfenster, um den E-Government-Teufelskreis aus mangelndem Angebot und geringer Nutzung endlich zu durchbrechen.

09.11.2021

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