Verwaltung macht Zukunft
Dr. Wilfried Bernhardt, Staatssekretär a.D. und stellvertretender Vorsitzender des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums

Die E-Akte ist die zwingende Voraussetzung für Smart Government

Dr. Wilfried Bernhardt ist Staatssekretär a.D. und stellvertretender Vorsitzender des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums.

Auf unserem Führungskräfteforum „Innovatives Management“ werden wir am 5. Oktober darüber diskutieren, wie Verwaltungen es schaffen können, agil und flexibel zu handeln. Was braucht es dafür aus Ihrer Sicht?

Zunächst einmal ist flächendeckend in allen deutschen Verwaltungen die elektronische Akte einzuführen. Denn ohne eine solche Akte wird die Verwaltung weder intern effizient arbeiten noch nach außen komfortabel mit den Bürgern und Unternehmen digital kommunizieren können. Die elektronische Akte ist heute die zwingende Voraussetzung für Smart Government. Sodann muss die Verwaltung endlich transparent arbeiten und ihre Daten, die mit Steuergeldern erarbeitet worden sind, den Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern zur umfassenden Nutzung zur Verfügung stellen – natürlich mit Ausnahme der personenbezogenen Daten. Und schließlich müssen alle Verwaltungen in Deutschland verlässliche, datenschutzgerechte, also auch verschlüsselte und komfortabel nutzbare elektronische Kommunikationskanäle bis hin zu komplett elektronisch geführten Verwaltungsverfahren über die Verwaltungsebenen hinweg bereitstellen.

Warum tut sich Deutschland so schwer mit der Verwaltungsmodernisierung?

Dieser bedauerliche Umstand hängt bei uns auch mit dem föderalen Verfassungssystem zusammen: Hauptakteure der Verwaltung in Deutschland sind die Länder und Kommunen – mit höchst unterschiedlichem Engagement beim E-Government. Die Bundesregierung hätte ihre eigene Digitalisierungsstrategie stärker darauf ausrichten und die Zusammenarbeit mit den Ländern suchen müssen. Aber auch viele Landesregierungen haben die Fortentwicklung von E-Government nur halbherzig vorangetrieben und z. B. die Motornormen des (Bundes-)E-Government-Gesetzes sehr
spät oder gar nicht mit eigenen Länder-E-Government-Gesetzen aufgegriffen. So wird ein die Verwaltungsebenen übergreifendes E-Government erschwert. Schließlich haben die Länderfinanzminister auch immer noch nicht erkannt, wie wichtig die Digitalisierung auch für die Verwaltungsmodernisierung ist. Ohne effizienten Einsatz der Informationstechnologie wird es auch keine effizient arbeitende Verwaltung geben; das führt nicht nur zur Unzufriedenheit bei den Bürgern und der Wirtschaft. Dasführt auch zu einer teuren Verwaltung, die dann von den Steuerzahlern zu finanzieren ist.

Was können Führungskräfte der öffentlichen Verwaltung tun, um die Digitalisierung für alle Beteiligten zu einem Erfolg zu machen?

Führungskräfte müssen im Bereich der Digitalisierung mit gutem Beispiel vorangehen. Die Digitalisierung darf nicht als lästige Pflichterfüllung angesehen werden – vielmehr ist sie eine Chance zur Prozess- und Verfahrensoptimierung, die lange vor der technischen Umsetzung beginnt. Wird das verinnerlicht, dann kann man seine Leute auch motivieren und gemeinsam viel bewegen. Führungskräfte sollten selbst auch eigene Erfahrungen mit den neuen Technologien erwerben, indem sie z. B. die elektronische Akte möglichst schnell auch selbst für ihre Arbeit nutzen.

Innovatives Management am 5. Oktober 2016 in Lübeck

Tauschen Sie sich am 5. Oktober mit rund 150 Führungspersönlichkeiten der öffentlichen Verwaltung in Lübeck zu den brennenden Themen unserer Zeit aus.

Alle Infos zum Führungskräfteforum finden Sie hier

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