Verwaltung macht Zukunft

Smart Government in Deutschland

Prof. Dr. Jörn von Lucke leitet das The Open Government Institute an der Zeppelin Universität Friedrichshafen

Herr von Lucke, Sie forschen zu Smart Government. Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff?

Beim Smart Government geht es um ein intelligent vernetztes Regierungs- und Verwaltungshandeln, also die Verwendung smarter Objekte und cyberphysischer Systeme für das Regieren und Verwalten. Wir fragen uns, welche Möglichkeiten sich für Behörden durch intelligent vernetzte Objekte eröffnen. Es geht um Dinge des Alltags, die zusätzlich mit Sensoren, Aktoren und einer Funkeinheit ausgestattet werden. Denken Sie an ein Smartphone oder eine Boje im Meer. Eine smarte Boje in der Ostsee ist ganz nett, aber viele über ein Informationsund Kommunikationssystem intelligent vernetzte Bojen im Meer bieten uns ein Tsunami-Frühwarnsystem, das uns etwa über unser Smartphone im Ernstfall vor der Tsunamiwelle warnt. Wir beschäftigen uns mit smarten Objekten, die uns das Verwalten erleichtern. Solche Objekte und Systeme können uns immer besser vorbereiten und informieren. Aber sie könnten auch selbst Entscheidungen treffen und diese automatisch umsetzen. Das ist neu und irgendwie auch revolutionär.

Bezogen auf ein integriertes Finanzmanagement: Welche Vorteile sehen Sie durch die zunehmende Automation für die öffentliche Verwaltung?

Die Verwaltung muss über elektronische Akten und elektronische Rechnungen hinaus denken. Künftig wird sie smarte Aktensysteme und smarte Rechnungen einfordern, mit denen Vorgänge und Rechnungen sich selbst ihren Weg durch die Zuständigkeiten suchen und neue Prozesse anstoßen. Eine intelligente  Vernetzung bedeutet, dass elektronische Rechnungen über die PDF-Darstellung und den XML-Datensatzcontainer hinaus auch eine Steuerungslogik besitzen. Noch sind wir aber nicht so weit. Die Einführung der Elektronischen Aktensysteme und insbesondere der Elektronischen Rechnung bis 2018 sind die nächsten wichtigen Schritte. Sie versprechen automatische Vorkontrollen, eine geringere Fehleranfälligkeit, Beschleunigungen und eine Entlastung des Personals zugunsten von wertschöpfenden Tätigkeiten.

Wo werden wir aus Ihrer Sicht die ersten konkreten Anwendungsfälle erleben?

Wir haben an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen Szenarien für die Feuerwehr, die Polizei, die Justizverwaltung, das Standesamt, das Finanzamt, die Landwirtschaftsverwaltung und die Bauverwaltung sowie Leitbilder für Verwaltung 4.0 und smarte Beamte entwickelt. Werfen Sie einen Blick auf Ihr Smartphone. Dann merken Sie, dass wir uns schon längst im Zeitalter des Internets der Dinge befinden.

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