Mann mit Mundschutz
IMA News · 17.06.20

Verwaltungen haben in der Krise neue Anwen­dungen geschaffen

Teil 2 der 4-teiligen Artikelserie: Die Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen die Vorzüge einer umfassenden Digitalisierung gezeigt. Sie hat aber auch offengelegt, wo Handlungsbedarf notwendig ist. Welche Chancen die Krise für den digitalen Umbau unserer Verwaltungen bietet, erklärt Dr. Ariane Berger vom Deutschen Landkreistag im Interview.

Wie Corona unseren Alltag verändert hat

Corona hat unser gewohntes Alltagsleben einschneidend verändert – von einem Tag auf den anderen. Und alle sind davon betroffen: Kinder und Jugendliche werden auf einmal zu Hause unterrichtet, die Eltern arbeiten im Homeoffice, Unternehmen tauschen sich mit ihren Kunden per Videokonferenz aus. Politiker:innen und Wissenschaftler:innen informieren mittels Online-Pressekonferenzen über die aktuelle Situation. 

Die Pandemie hat aber auch gezeigt, wie dringend der Bedarf an einer umfassenden Digitalisierung unserer Gesellschaft und unseres Lebens ist. Auf die Verwaltungen kamen in der Krise besondere Herausforderungen zu: Zum einen mussten die Bürger:innen schnell und umfassend über die jeweiligen Beschränkungen, aber auch über die Lockerungen informiert werden. Zum anderen hatten die Gesundheitsbehörden die Aufgaben, Abertausende COVID-19 Erkrankungen zu erfassen und Infektionswege zu klären und Quarantänemaßnahmen umzusetzen. 

Dr. Ariane Berger, Leiterin des Digitalisierungsbereichs beim Deutschen Landkreistag in Berlin, erklärt im Interview, welche Chancen die aktuelle Krise für die weitergehende Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen bietet.

„Das allgemeine Verständnis ist klar gewachsen, dass wir ohne Digitalisierung den Anschluss verlieren. Die Krise hat mehr Schwung in die Entwicklungen gebracht.“

Dr. Ariane Berger Leiterin des Digitalisierungsbereichs beim Deutschen Landkreistag

Wie sind die Verwaltungen bislang durch die Corona-Krise gekommen?

Gut. Die Verwaltungen haben gezeigt, dass sie sehr schnell und effizient arbeiten können. So konnte das Personal in den Gesundheitsämtern für das Kontaktpersonen-Management zügig durch Mitarbeiter:innen aus anderen Abteilungen und Abordnungen von den kreisangehörigen Gemeinden ergänzt werden. Es haben sich aber auch erneut Engpässe gezeigt, wo klar wurde, dass es noch keine durchgängige digitale Verwaltung gibt.

Hat die Pandemie digitale Projekte eher ausgebremst oder beschleunigt?

Das allgemeine Verständnis ist klar gewachsen, dass wir ohne Digitalisierung den Anschluss verlieren. Die Krise hat mehr Schwung in die Entwicklungen gebracht. Die Verwaltungen haben jetzt bewiesen, dass sie schnell neue, digitale Anwendungen schaffen können. Beispielsweise für das bereits erwähnte Kontaktpersonen-Management, also die Nachverfolgung von Kontakten Infizierter zu anderen Menschen, wurden auf Landkreisebene verschiedene Softwarelösungen entwickelt. Aber auch für den Austausch von Daten zwischen den Laboren und den Gesundheitsämtern ist eine Anwendung in Arbeit. Andere Landkreise haben digitale Symptomtagebücher für Erkrankte geschaffen. Die aktuelle Situation hat zudem gezeigt, dass durch Open-Source-Lösungen zeitnah Anwendungen geschaffen werden können. Und das schneller, als oft zuvor gedacht.

„Es hat sich gezeigt, Verwaltungen können gegenüber Bürger:innen und Unternehmen – sei es beim schnellen Antrag im SGB II oder bei der Zulassung von Fahrzeugen – auch online Anträge kurzfristig realisieren, wir können mit Blick auf die Mitarbeiter:innen aber auch Homeoffice und Videokonferenzen.“

Dr. Ariane Berger Leiterin des Digitalisierungsbereichs beim Deutschen Landkreistag

Wie haben Ihre „Kunden“, sprich die Bürger:innen, auf die veränderten Arbeitsabläufe in Verwaltungen reagiert? 

Im Gegensatz zu vielen Ballungszentren haben wir in den Verwaltungen der Landkreise auch vor der Corona-Krise kein Überfüllungsproblem gehabt. Von daher war die grundsätzliche Zufriedenheit schon immer recht hoch. Und in der Krise war die Akzeptanz für Ämter und Fachbereiche, die für den Präsenzverkehr geschlossen waren, sehr hoch. Da gab es auf Seiten der Bürger:innen viel Verständnis.

Wird aus der Bevölkerung und auch aus der Politik der Druck größer, die Digitalisierung der Verwaltungen zu beschleunigen?

Aufgrund des OZGs ist der Druck ohnehin schon recht groß. Ich persönlich erwarte zudem, dass im Bildungsbereich der gesellschaftliche Druck durch die Eltern für medienpädagogische Konzepte gewaltig werden wird.

Gibt es Beispiele, wie Erfahrungen mit Digitalisierungsprojekten in der Vergangenheit Projekte in der Krise beschleunigt haben?

Wir sind froh, dass wir seit drei Jahren durch die Umsetzung des OZGs mit digitalen Projekten üben konnten. Das hat uns jetzt geholfen. Und es ist deutlich geworden, dass dabei die Einbindung der Kommunen neben Bund und Ländern der allein richtige Weg war. In der Vergangenheit sind solche Projekte immer mal wieder ohne die Kommunen aufgesetzt worden. Technik und Vollzug müssen bei der Digitalisierung aber von Anfang an mitgedacht werden. Und dieses Know-how ist in den Kommunen wie ihren Dienstleistern vorhanden.

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