MACH News · 10.07.26

Verwaltung, Vertrauen, Verantwortung: Politischer Besuch bei MACH

Wenn Bundes- und Landespolitik mit Wissenschaft und Wirtschaft ins Gespräch kommen, entstehen selten einfache Antworten. Aber die richtigen Fragen.

Am 1. Juli 2026 war MACH Gastgeber eines besonderen Gesprächs. Zu Gast waren:

  • Philipp Amthor, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung
  • Dirk Schrödter, Minister und Chef der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein
  • Henri Schmidt, Mitglied des Deutschen Bundestages
  • Prof. Dr. Helge Braun, Präsident der Universität zu Lübeck
  • Prof. Dr. Moreen Heine, Professorin für E-Government und Open Data Ecosystems, Universität zu Lübeck
  • Dr. Moritz Karg, Referatsleiter Grundsatzfragen der Digitalisierung, Ministerium für Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein

"Ein moderner Staat muss liefern können, verlässlich, nachvollziehbar, auf Augenhöhe mit den Menschen", eröffnete Andreas Drechsler, Vorsitzender der Geschäftsführung von MACH, das Gespräch. "Und dieses Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch Erfahrungen im echten Leben."

Das Panelgespräch im Video

Wie wird der Staat wirklich handlungsfähig, und was hat das mit Vertrauen zu tun?

 Im Video sehen Sie das vollständige Panelgespräch mit Philipp Amthor, Dirk Schrödter, Henri Schmidt, Prof. Dr. Helge Braun, Prof. Dr. Moreen Heine, Dr. Moritz Karg sowie Andreas Drechsler und Stefan Mensching von MACH.
 

Ein Umsetzungsproblem, kein Erkenntnisproblem

Einigkeit herrschte schnell darüber, dass es an der Zielrichtung nicht mangelt. Amthor brachte es auf den Punkt: Die zentrale Erkenntnis sei, dass Deutschland vor allem ein Umsetzungsproblem habe. Dieses löse man nicht mit besseren Überschriften, sondern mit einem präziseren, konkreteren Plan der Umsetzung. Als Beleg nannte er die föderale Modernisierungsagenda, die Bund und Länder derzeit gemeinsam vorantreiben.

Schrödter unterstrich das aus Landessicht: Schleswig-Holstein setze konsequent auf durchgängig digitale Prozessketten und auf digitale Souveränität, verstanden als die Fähigkeit, staatliche IT-Infrastrukturen selbstbestimmt zu entwickeln und zu betreiben.

Vertrauen als Henne-Ei-Problem

Besonders eindrücklich beschrieb Henri Schmidt das Spannungsverhältnis zwischen Digitalisierung und Vertrauen: Digitalisierung gelinge in Deutschland auch deshalb oft nicht, weil vielen Menschen das Vertrauen in den Staat fehle. Gleichzeitig entstehe genau dieses Vertrauen erst durch funktionierende digitale Verwaltung. Ein Blick nach Skandinavien zeige, wie eng beides miteinander verknüpft ist.

Was Forschung und Praxis beitragen

Prof. Dr. Helge Braun berichtete von einer Umfrage aus seiner Zeit im Bundeskanzleramt, die zeigte: Bürgerinnen und Bürger schätzen die Neutralität und Professionalität der Verwaltung, begegnen einer zu forcierten Digitalisierung aber auch mit Skepsis. Genau hier setzt die Forschung an der Universität zu Lübeck an, etwas im Joint Innovation Lab (JIL), das Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen zusammenbringt.

Prof. Dr. Moreen Heine ergänzte aus der Praxis des JIL: Studierende, die reale Verwaltungsprozesse untersuchen, seien oft überrascht, wie groß die Lücke zwischen etablierten Erkenntnissen zu nutzerzentrierter Gestaltung und der tatsächlichen Umsetzung in der Verwaltung noch sei.

Die Perspektive aus der Praxis

Stefan Mensching, bei MACH verantwortlich für die Umsetzung von Lösungen im Markt, brachte die Unternehmenssicht ein: Erfolgreiche Projekte entstünden dort, wo man nicht auf den perfekten Plan wartet, sondern mit rund 80 Prozent beginnt und sich gemeinsam mit den Beteiligten weiterentwickelt. Entscheidend sei echtes gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe zwischen Verwaltung und Technologiepartnern, nicht ein klassisches Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis.

Die kommunale Ebene

Dr. Moritz Karg lenkte die Runde bewusst auf einen Punkt, der bis dahin wenig Raum eingenommen hatte: die kommunale Ebene. Ein Großteil der Transformation, die Bund und Länder einfordern, findet am Ende in den Kommunen statt, dort, wo Bürgerinnen und Bürger tatsächlichen Kontakt mit Verwaltung haben. Schleswig-Holstein habe früh erkannt, dass echter Erfolg genau dort entsteht, wo einzelne Kolleginnen und Kollegen einen konkreten Vorteil im eigenen Arbeitsalltag erkennen, nicht erst in ferner Zukunft.

Karg warb zugleich für ein anderes Verständnis von Föderalismus: Statt ihn als Ursache für Stillstand zu behandeln, könne er, richtig verstanden, gerade unterschiedliche, bessere Lösungsansätze hervorbringen, die sich anschließend in der Fläche durchsetzen. Als Beispiel nannte er den IT-Verbund Schleswig-Holstein (ITVSH), einen freiwilligen Zusammenschluss von Land und Kommunen, der genau auf diesem Prinzip aufbaut. Technische Standardisierung, so seine These, könne das Föderalismus- und Heterogenitätsproblem lösen, ganze ohne Zentralisierung um jeden Preis.

Fazit

Die rund 40-minütige Diskussion machte deutlich, wie eng Digitalisierung, Verwaltungsmodernisierung und demokratisches Vertrauen tatsächlich zusammenhängen, und wie viele Ebenen, vom Bund bis zur einzelnen Kommune, dabei zusammenwirken müssen. Zum Abschluss ordnete Andreas Drechsler das Gespräch noch einmal ein.

"Was mich an diesem Nachmittag am meisten beeindruckt hat: Wie schnell aus fünf unterschiedlichen Perspektiven ein gemeinsames Bild wurde. Bund, Land, Kommunen, Wissenschaft und wir als Unternehmen sprechen an vielen Stellen über dieselbe Sache, nur mit unterschiedlichen Werkzeugen. Am Ende geht es immer um dasselbe: Ob Menschen dem Staat vertrauen können, weil sie erleben, dass er funktioniert. Genau daran arbeiten wir gemeinsam weiter."

Andreas Drechsler Vorsitzender der Geschäftsführung
Andreas Drechsler - MACH AG