Verwaltung macht Zukunft

Die lernende Organisation

11:25 10.11.2017

Das wichtigste Kapital einer Firma ist das Wissen, die Erfahrung und die Vernetzung der eigenen Mitarbeiter. Das ist inzwischen sicherlich eine Binsenweisheit, ändert aber insbesondere bei IT-Unternehmen nichts am Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Um dieses Kapital zu erhalten oder sogar auszubauen, muss eine Firma darin investieren und darf sich nicht darauf verlassen, dass es irgendwie von alleine passiert, denn das wäre zu riskant.

Und dabei gilt: Niemand weiß alles. Selbst nach einer langjährigen Ausbildung oder nach vielen Berufsjahren (oder gerade dann) gibt es immer noch viele Dinge, die man lernen kann, um noch besser in seinem Beruf zu werden. Und wenn man Dan Pink (siehe: “what truely motivates us”) glaubt, ist das Streben nach Exzellenz sogar zusätzlich noch eine starke Motivationstriebfeder. Gerade in der Softwareentwicklung wird man sehr schnell von neuen technischen oder prozessualen Entwicklungen abgehängt, wenn man nicht ständig einen Teil seiner Arbeit in das Erlernen neuer Methoden oder Techniken investiert.

Dem Anspruch, jeden Tag gemeinsam ein Stückchen besser zu werden, schenken wir in der Systementwicklung noch mehr Aufmerksamkeit. Wir müssen uns weiter entwickeln, um den sich ständig ändernden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. Neben externen Schulungen spielt dabei das Lernen im Berufsalltag eine entscheidende Rolle. Der Mensch lernt besser an konkreten Problemen und der Arbeitsalltag bietet viele Gelegenheiten dazu.

Wir nutzen diese Chance indem wir verstärkt Situationen erzeugen, wo mehrere Kollegen gemeinsam Aufgaben lösen. Z. B. laufen gerade mehrere Experimente, wo wir in den agilen Scrum Teams die gleichzeitig bearbeiteten Aufgaben limitieren (Work In Progress Limitation). Diese Idee haben wir uns aus Kanban geliehen. Dadurch arbeitet nicht jeder Kollege an einer separaten Aufgabe, sondern mindestens 2 Kollegen bearbeiten gemeinsam eine Aufgabe. Dadurch entsteht automatisch eine enge Abstimmung und ein Know-how Transfer zwischen den Kollegen.

Eine besonders interessante Variante ist dabei das sogenannte Pairing (oder auch Pair Programming). Hier sitzen 2 Kollegen gemeinsam vor dem Rechner und arbeiten gleichzeitig an einer Aufgabe. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass der Output beim Pairing zwar etwas geringer ist, als wenn die Kollegen einzeln an separaten Aufgaben gearbeitet hätten – die Qualität beim Pairing ist jedoch deutlich höher. Pairing hat demnach in der Summe deutliche Vorteile, wenn es funktioniert.

Nebenbei fließt noch eine Menge Wissen und Erfahrung zwischen den Kollegen hin und her, wenn man so eng miteinander arbeitet und dadurch bauen sich Wissensinseln ab. Das macht eine Organisation auf Dauer deutlich robuster, denn man kann schnell auch einen größeren Umfang an bestimmten Aufgaben erledigen, wenn man die Last auf mehrere Schultern verteilen kann. Außerdem ist das Unternehmen nicht mehr so anfällig bei einem Ausfall bestimmter Mitarbeiter (Truck-Factor).

Es ist jedoch auch zu beobachten, dass eine solche Arbeitsweise nicht immer auf Begeisterung stößt. Und das ist natürlich auch verständlich, wenn man bedenkt, dass plötzlich jemand neben einem sitzt und im “eigenen” Source Code “rumpfuscht” und im dümmsten Fall vielleicht sogar noch Fehler oder stark verbesserungswürdige Passagen findet. Spätestens da verdeutlicht sich der Zusammenhang zwischen der Firmenkultur und der Lernfähigkeit der Organisation. Denn jede Verbesserung lässt natürlich auch das Verbesserte in einem anderen Licht erscheinen. Je nach Fehlerkultur im Unternehmen kann es sogar sein, dass Mitarbeiter eigene Fehler oder Unzulänglichkeiten um jeden Preis verbergen, auch wenn andere davon viel lernen könnten.  Wir sammeln weiter Erfahrung im Pairing, müssen aber bewusst darauf achten, dass diese Arbeitsweise nicht versandet.

Ein weiterer Mosaikstein auf dem Weg zu einer lernenden Organisation ist die Wiederbelebung des teamübergreifenden, fachlichen Austauschs in der Systementwicklung. Wir werden diesem vernetzten Austausch wieder mehr Raum geben, um auf verschiedenen Leveln voneinander und miteinander zu lernen oder auch Probleme gemeinsam zu lösen. Als Kick-Off dieser nun wieder regelmäßiger stattfindenden Veranstaltung gab es ein sogenanntes Coding Dojo. Das ist eine definiert Programmieraufgabe, die auf eine bestimmte Art und Weise gelöst werden muss. In diesem Fall haben wir einiges über testgetriebene Entwicklung (TDD) gelernt. Dazu haben wir in 2er Teams im Pairing (Ping-Pong Modus) gearbeitet. Wir haben angeregt, dass sich Paarungen an den Rechnern finden, die im Arbeitsalltag nicht in denselben Teams arbeiten, um die Vernetzung innerhalb der Systementwicklung zu befördern.

Begleitet wurde diese Session vom Initiator der Softwerkskammer Lübeck Thilko Richter. Trotz der Urlaubszeit waren alle Plätze besetzt und das Feedback der Teilnehmer sehr positiv. Es wird nun spannend sein, zu beobachten, ob das eine oder andere des Gelernten den Weg in den Arbeitsalltag findet. Realistisch betrachtet werden wir diesen Schritt sicherlich in irgendeiner Form begleiten müssen, denn es dauert eine Weile (angeblich ca. 6 Wochen), bis etwas Neues zur Gewohnheit geworden ist.

Wir freuen uns auf weitere Lernrunden und Veränderungsexperimente in der Systementwicklung und vertrauen darauf, dass Dan Pink Recht hat. So wird sich diese Initiative sicherlich durch die Motivation der Kolleginnen und Kollegen, jeden Tag ein bisschen besser zu werden, und ihre Selbstorganisation tragen.

Viele Grüße aus der Systementwicklung,
Jan Hohe

Jan Hohe

Bei MACH arbeite ich als Gruppenleiter in der Entwicklung seit März 2017.

An meiner Arbeit gefällt mir, dass sie so viele Aspekte beinhaltet. Technische Diskussionen, Ausgestaltung agiler Arbeitsweisen, das Aufbrechen von Silos bis hin zur Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Arbeit meiner Kollegen.

Besonders spannend finde ich, nach den Ursprüngen von Problemen im systemischen Zusammenhang zu suchen und diese dann gemeinsam zu lösen.

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